{"id":352,"date":"2013-12-08T00:00:00","date_gmt":"2013-12-07T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/vor-ort.kolping.de\/kolpingsfamilie-gersthofen\/2013\/12\/08\/vom-schuhmacher-zum-katholischen-sozialreformer\/"},"modified":"2019-03-14T21:46:33","modified_gmt":"2019-03-14T20:46:33","slug":"vom-schuhmacher-zum-katholischen-sozialreformer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vor-ort.kolping.de\/kolpingsfamilie-gersthofen\/2013\/12\/08\/vom-schuhmacher-zum-katholischen-sozialreformer\/","title":{"rendered":"Vom Schuhmacher zum katholischen Sozialreformer"},"content":{"rendered":"
(db) Das Jubil\u00e4um des 200sten Geburtstag von Adolph Kolping am 8. Dezember 2013 wollte die Vorstandschaft in einem besonderen Rahmen hervorheben. Den z\u00fcndenden Impuls lieferte die erste Vorsitzende Patricia Steiner. Der Stehempfang mit kleinem B\u00fcfett gipfelte im Programmpunkt zweier Jugendlicher aus der Kolpingsfamilie Gersthofen.
Durch die Bem\u00fchungen der Jugendleiterin Martina Zeller konnte den zahlreich anwesenden Mitgliedern etwas Besonderes bei der Geburtstagsfeier pr\u00e4sentiert werden. Die Jugendliche Marie Kamm f\u00fchrte ein fast profihaftes Interviewerin mit\u00a0 Adolph Kolping alias\u00a0 Moritz Lamprecht \u00fcber dessen Leben.
Mit drei Geschwistern wuchs Adolph Kolping in bescheidenen Verh\u00e4ltnissen in Kerpen bei K\u00f6ln auf. Oft krank und f\u00fcr die Feldarbeit zu schwach, konnte er jedoch t\u00e4glich zur Schule gehen. Seinen Wunsch auf ein Studium stellte er zur\u00fcck – er half beim Familienunterhalt mit. Sein Vater, ein Sch\u00e4fer bei einem Gutsherrn, organisierte im Dorf eine Lehrstelle zum Schuhmacher. Freizeit oder feste Arbeitszeiten gab es nicht. Der junge Kolping las viel und ging, wie damals \u00fcblich, auf Wanderschaft. Viele Jahre arbeitete er als Schuhmachergeselle in einer Zeit, als die Gesellen im Haushalt des Meisters integriert waren. Doch in der Zeit des Umbruches zur Industrialisierung fiel diese traditionelle Ordnung weg.
Der junge Adolph Kolping wandte sich der Kirche zu. Er merkte, der Glaube gibt seinem Leben einen Sinn. Das Abitur holte er mit 22 Jahren nach. F\u00fcr seinen Lebensunterhalt erteilte er nach der Schule Nachhilfestunden. Dann studierte er in M\u00fcnchen und Bonn und sah einen steinigen Weg auf sich zukommen: Auf die Liebe zu seiner Jugendfreundin Klara musste er nun schweren Herzens verzichten: Er empfing am 13.4.1845 die Priesterweihe in der Minoritenkirche. Dies hatte weitreichende Folgen: Vorbild ist er bis heute und er war der Wegbereiter f\u00fcr die katholische Sozialbewegung. Seinem ehemaligen Professor D\u00f6llinger schrieb er 1948: ?Ich brenne vor Verlangen, diesen Verein noch im ganzen katholischen Deutschland eingef\u00fchrt zu sehen?.
Im Land fruchteten die Ideen von Marx und Engels – trotzdem konnte der Zulauf des 1849 gegr\u00fcndeten ?Katholischen Gesellenvereines? mit festgeschriebenen Statuten nicht gestoppt werden. Der Grund war einfach: Famili\u00e4ren Zusammenhalt und Geselligkeit verband der eifrige Kolping mit den spezifischen Bed\u00fcrfnissen der Gesellen nach fachlicher, politischer und auch religi\u00f6ser Weiterbildung. Und die Gesellen hatten einen Zufluchtsort f\u00fcr ein solides Leben. Selbsthilfegruppen wie die solidarischen Kranken- und Rentenkassen gr\u00fcndeten sich. Von diesen Ideen und Aufgaben war Adolph Kolping so angetan – heute w\u00fcrde er als ?workaholic? bezeichnet.
Auf die Frage der Interviewerin Marie Kamm: ?Wie reagierten die offiziellen Stellen?? antwortete Adolph Kolping alias Moritz Lamprecht: ?Haupts\u00e4chlich die preu\u00dfischen Beh\u00f6rten legten mir Steine in den Weg. Dass sich ein Pfarrer um Arbeiter und Handwerker und deren sinnvolle Freizeitgestaltung k\u00fcmmert, war doch zu dieser Zeit absolut nicht selbstverst\u00e4ndlich?.
Bei der sehr gut besuchten Geburtstagsfeier in der Kolpingsfamilie Gersthofen f\u00fcr Adolph Kolping berichtete Moritz Steiner, gekleidet wie Kolping, freudig: ?Als Redakteur meiner eigenen Zeitung ?Rheinische Volksbl\u00e4tter? sorgte ich f\u00fcr Verbreitung meiner Ideen und verbesserte die finanzielle Situation deutlich. Die Eisenbahn als technische Neuerung erleichterte mir Reisen durch Deutschland und in benachbarte europ\u00e4ische L\u00e4nder. Denn mittlerweile gab es Gesellenvereine in \u00d6sterreich, Ungarn, in der Schweiz. Deutsche Auswanderer hatten sich in den USA zusammengetan.? Die Vereinsidee von Kolping trugen auch die wandernden Gesellen in die Welt.
In Rom stellte Kolping sein Werk im Juli 1862 Papst Pius IX vor und erhielt f\u00fcr den ?Katholischen Gesellenverein? den p\u00e4pstlichen Segen. ?Und mir schenkte er als Anerkennung ein Messgewand. Zudem wurde ich zum P\u00e4pstlichen Geheimk\u00e4mmerer? ernannt?, res\u00fcmierte Adolph Kolping als Moritz Lamprecht .
Seine feste Glaubens\u00fcberzeugung stellte Kolping dem Zweifel und Unglauben mancher Zeitgenossen gegen\u00fcber. Mitglieder konnten auch evangelische Christen werden, denn Einheit im Glauben und in der Kirche waren ihm ein gro\u00dfes Anliegen.
In Kolpings Todesjahr 1865 z\u00e4hlten 420 Gesellenvereinen \u00fcber 24.000 Mitglieder. Die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. erfolgte am 27.10.1991.
Maria Kamm als Interviewerin war sichtlich beeindruckt \u00fcber dieses spannende Lebenswerk. Das heutige Internationale Kolpingswerk setzt sich als Hilfe zur Selbsthilfe in 57 L\u00e4ndern mit \u00fcber 5000 Kolpingsfamilien fort. Sie dankte f\u00fcr das Interview und w\u00fcnschte dem Publikum eine sch\u00f6ne Geburtstagsfeier.
Die Jugendlichen Marie Kamm und Moritz Lamprecht wurden mit gro\u00dfem Beifall seitens der Mitglieder bedacht!
Und noch ein Zitat aus dem gro\u00dfen Fundus von Adolph Kolping: ?Froh und gl\u00fccklich machen, tr\u00f6sten und erfreuen ist im Grunde doch das Gl\u00fccklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann?.<\/p>\n
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