Zum Inhalt
Kolping Logo

Kolpingsfamilie

Gersthofen

Portrait Adolf Kolping
Schmuckelement Kurve oben Schmuckelement Kurve oben

Vom Schuhmacher zum katholischen Sozialreformer

veröffentlicht am

(db) Das Jubiläum des 200sten Geburtstag von Adolph Kolping am 8. Dezember 2013 wollte die Vorstandschaft in einem besonderen Rahmen hervorheben. Den zündenden Impuls lieferte die erste Vorsitzende Patricia Steiner. Der Stehempfang mit kleinem Büfett gipfelte im Programmpunkt zweier Jugendlicher aus der Kolpingsfamilie Gersthofen.
Durch die Bemühungen der Jugendleiterin Martina Zeller konnte den zahlreich anwesenden Mitgliedern etwas Besonderes bei der Geburtstagsfeier präsentiert werden. Die Jugendliche Marie Kamm führte ein fast profihaftes Interviewerin mit  Adolph Kolping alias  Moritz Lamprecht über dessen Leben.
Mit drei Geschwistern wuchs Adolph Kolping in bescheidenen Verhältnissen in Kerpen bei Köln auf. Oft krank und für die Feldarbeit zu schwach, konnte er jedoch täglich zur Schule gehen. Seinen Wunsch auf ein Studium stellte er zurück – er half beim Familienunterhalt mit. Sein Vater, ein Schäfer bei einem Gutsherrn, organisierte im Dorf eine Lehrstelle zum Schuhmacher. Freizeit oder feste Arbeitszeiten gab es nicht. Der junge Kolping las viel und ging, wie damals üblich, auf Wanderschaft. Viele Jahre arbeitete er als Schuhmachergeselle in einer Zeit, als die Gesellen im Haushalt des Meisters integriert waren. Doch in der Zeit des Umbruches zur Industrialisierung fiel diese traditionelle Ordnung weg.
Der junge Adolph Kolping wandte sich der Kirche zu. Er merkte, der Glaube gibt seinem Leben einen Sinn. Das Abitur holte er mit 22 Jahren nach. Für seinen Lebensunterhalt erteilte er nach der Schule Nachhilfestunden. Dann studierte er in München und Bonn und sah einen steinigen Weg auf sich zukommen: Auf die Liebe zu seiner Jugendfreundin Klara musste er nun schweren Herzens verzichten: Er empfing am 13.4.1845 die Priesterweihe in der Minoritenkirche. Dies hatte weitreichende Folgen: Vorbild ist er bis heute und er war der Wegbereiter für die katholische Sozialbewegung. Seinem ehemaligen Professor Döllinger schrieb er 1948: ?Ich brenne vor Verlangen, diesen Verein noch im ganzen katholischen Deutschland eingeführt zu sehen?.
Im Land fruchteten die Ideen von Marx und Engels – trotzdem konnte der Zulauf des 1849 gegründeten ?Katholischen Gesellenvereines? mit festgeschriebenen Statuten nicht gestoppt werden. Der Grund war einfach: Familiären Zusammenhalt und Geselligkeit verband der eifrige Kolping mit den spezifischen Bedürfnissen der Gesellen nach fachlicher, politischer und auch religiöser Weiterbildung. Und die Gesellen hatten einen Zufluchtsort für ein solides Leben. Selbsthilfegruppen wie die solidarischen Kranken- und Rentenkassen gründeten sich. Von diesen Ideen und Aufgaben war Adolph Kolping so angetan – heute würde er als ?workaholic? bezeichnet.
Auf die Frage der Interviewerin Marie Kamm: ?Wie reagierten die offiziellen Stellen?? antwortete Adolph Kolping alias Moritz Lamprecht: ?Hauptsächlich die preußischen Behörten legten mir Steine in den Weg. Dass sich ein Pfarrer um Arbeiter und Handwerker und deren sinnvolle Freizeitgestaltung kümmert, war doch zu dieser Zeit absolut nicht selbstverständlich?.
Bei der sehr gut besuchten Geburtstagsfeier in der Kolpingsfamilie Gersthofen für Adolph Kolping berichtete Moritz Steiner, gekleidet wie Kolping, freudig: ?Als Redakteur meiner eigenen Zeitung ?Rheinische Volksblätter? sorgte ich für Verbreitung meiner Ideen und verbesserte die finanzielle Situation deutlich. Die Eisenbahn als technische Neuerung erleichterte mir Reisen durch Deutschland und in benachbarte europäische Länder. Denn mittlerweile gab es Gesellenvereine in Österreich, Ungarn, in der Schweiz. Deutsche Auswanderer hatten sich in den USA zusammengetan.? Die Vereinsidee von Kolping trugen auch die wandernden Gesellen in die Welt.
In Rom stellte Kolping sein Werk im Juli 1862 Papst Pius IX vor und erhielt für den ?Katholischen Gesellenverein? den päpstlichen Segen. ?Und mir schenkte er als Anerkennung ein Messgewand. Zudem wurde ich zum Päpstlichen Geheimkämmerer? ernannt?, resümierte Adolph Kolping als Moritz Lamprecht .
Seine feste Glaubensüberzeugung stellte Kolping dem Zweifel und Unglauben mancher Zeitgenossen gegenüber. Mitglieder konnten auch evangelische Christen werden, denn Einheit im Glauben und in der Kirche waren ihm ein großes Anliegen.
In Kolpings Todesjahr 1865 zählten 420 Gesellenvereinen über 24.000 Mitglieder. Die Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. erfolgte am 27.10.1991.
Maria Kamm als Interviewerin war sichtlich beeindruckt über dieses spannende Lebenswerk. Das heutige Internationale Kolpingswerk setzt sich als Hilfe zur Selbsthilfe in 57 Ländern mit über 5000 Kolpingsfamilien fort. Sie dankte für das Interview und wünschte dem Publikum eine schöne Geburtstagsfeier.
Die Jugendlichen Marie Kamm und Moritz Lamprecht wurden mit großem Beifall seitens der Mitglieder bedacht!
Und noch ein Zitat aus dem großen Fundus von Adolph Kolping: ?Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann?.