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Kolpingsfamilie

Gersthofen

Portrait Adolf Kolping
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Honig ist das reinste Lebensmittel

veröffentlicht am

(db)   ?Willst du Gottes Wunder seh?n, musst du zu den Bienen geh?n? lautet ein weiser alter Spruch. Denn ohne ihre unermüdliche Arbeit gäbe es weniger auf unseren Tellern. 85% aller Pflanzen sind von der Bestäubung der Bienen und Insekten abhängig. Die Feinheiten rund um einen Bienenstock erfuhren die Mitglieder der Kolpingsfamilie Gersthofen von Günter Keistler in seinem ?Bienenhaus? bei Biberbach.
Bienen gibt es seit 14 Millionen Jahren. In einem Bienenvolk leben im Sommer 40.000 – 70.000, im Winter ca. 20.000 Bienen. Die Sommerbiene lebt 6 ? 8 Wochen. In dieser Zeit hat sie Innendienst, das bedeutet: Stube sauber machen, Königin füttern, Brut versorgen, Honigtau einlagern und Wächterdienst vor dem Flugloch. In den letzten 14 Tagen ihres Lebens fliegt die Biene aus. Danach sind ihre Flügel verbraucht, und sie stirbt in der freien Natur. Die Winterbiene lebt rund sieben Monate. ?Über den Winter verlieren die Bienen ihr Gedächtnis und müssen sich im Frühling neu einfliegen. Im zeitigen Frühjahr ab 10 Grad fliegen Bienen aus zum Reinigungsflug, um sich draußen auszukoten? beschreibt Keistler die Ruhephase, und er fügt an: ?In dieser Zeit sollten die Menschen keine Wäsche draußen aufhängen.? Günter Keistler betonte: ?Weidenkätzchen sind die ersten Frühlingsblüher und ganz wichtig mit ihrem eiweißreichen Blütenstaub, also am Besten nicht abschneiden?. Frühlingsblumen und Obstbäume folgen. Bienen sind ?blütenstetig?, das heißt, sie bleiben solange beim Obstbaum bis er bestäubt ist. Erst dann fliegen sie den nächsten an. Anfangs fliegt die Biene vom Flugloch erst 50 cm weg, dann 2 m und immer weiter, sie richtet sich nach der Sonne (UV-Licht). Vom ersten Ausflug z. B. zum Kirschbaum bringen Bienen die Flug-koordinaten den Kolleginnen in den Stock.
Der Imker holt Brutwaben, ersetzt sie mit leeren Waben. Die eingesetzte Mittelwand in der Beute wird von den Arbeitsbienen zu einer Wabe ausgebaut. Darin lagern die Bienen dann ihren Honig ein. Eine Honigwabe kann bis zu 2,5 kg wiegen.
Die Schwarmzeit der Bienen beginnt ab Mai. Das heißt, das Bienenvolk zieht sich eine neue Königin. 4 Tage vor dem Schlüpfen der neuen Königin verlässt die alte Königin mit einem Teil der Bienen den Bienenstock. Drohnen, die männlichen Bienen, paaren sich mit der Königin, weitere Aufgaben haben sie nicht. Die Königin fliegt zum Hochzeitsflug aus. Günter Keistler berichtet: ?Eine Königin hat die Aufgabe, für Nachwuchs zu sorgen und legt pro Tag etwa 2.000 Eier. Für diese gewaltige Arbeit hegt und pflegt ihr Hofstaat sie mit hochwertiger Nahrung, dem sog. ?Gelee Royale?. Die Lebensdauer einer Königin beträgt rund sechs Jahre.? In der sog. Drohnenschlacht ab Ende Juli werden die Drohnen aus dem Stock gejagt.
Nach dem Abschleudern des Honigs Mitte Juli behandelt der Imker die Bienen mit Ameisensäure gegen den Milbenbefall (Varroa Milbe). Die zweite Behandlung erfolgt im Dezember mit Oxalsäure (vom Rhabarber). Die Einfütterung der Bienen beginnt im August mit Zuckerlösung oder Fertigfutter. Zu diesem Zeitpunkt finden die Bienen in der Natur kaum noch Nahrung. Walter Steiner von Kolping fragte nach den Voraussetzungen, um als Imker tätig zu werden. ?Es gibt staatlich anerkannte Ausbildungsbetriebe für eine dreijährige Ausbildung zum ?Tierwirt?, Fachrichtung Imkerei. Vorhandene Imkererfahrung ermöglicht einen Seiteneinstieg?, informierte Herr Keistler. ?Ich bilde selbst aus,? betont Keistler, 1. Vorsitzenden des Kreisverbandes Imker Augsburg.
Für 1 Kilo Honig fliegt die Biene drei Mal um die Erde. 8.000 bis 10.000 Blütenbesuche sind notwendig für 1 Gramm Honig. Enzyme, Vitamine, Mineralien und andere Stoffe enthält Honig. Der Wassergehalt ist max. 18 %. Interessiert blickten die Kolpingsmitglieder in einen geöffneten Bienenstock. Auch draußen an den Einflugöffnungen herrschte emsiges Ein- und Ausfliegen.
?Künftig esse ich Honig mit mehr Bedacht als bisher angesichts dieser immensen Fleißarbeit der Bienenvölker? betonte Maria Ortner, was die anderen Kolpingsmitglieder bestätigten.