(db Auf den Pfaden der Augsburger Geschichte wandelten Mitglieder der Kolpingsfamilie Gersthofen. Im sogenannten Schreinertor, dem Wertachbrucker Tor, zeigten ihnen Adolf Olbrich von der Schreiner-Innung und Walter Steiner die frühere Holzbearbeitung in ihren Feinheiten und Finessen auf alten Werkzeugen.
Der Name dieses Turmes leitet sich aus dem früheren Standort um 1320 nahe der Wertach her.
Augsburgs großer Baumeister Elias Holl modernisierte zwischen 1605 und 1626 sämtliche Augsburger Stadttore, als erstes das Wertachbrucker Tor. Auch den zweiten Weltkrieg überstand das Bauwerk mit geringen Schäden. Doch 40 Jahre lang nagte der Zahn der Zeit ungehindert. Erst als es 1988 auf eine Renovierungsliste gesetzt wurde, begann eine dringend erforderliche äußere Instandsetzung. Die Schreinerinnung übernahm als Pächter ab 1997 schrittweise eine denkmalschutzgerechte Innensanierung. Seit 1999 machte das erste Wertachbrucker-Thor-Fest im historischen Rahmen diesen Turm weit über Augsburgs Stadtgrenzen bekannt.
Mit ausgestellten alten Werkzeugen wie Profilholzhobel, Fitschenbändern für Tür- und Fensterbeschläge, Gehrungszinken führten die Schreiner Walter Steiner und Hermann Steiner ehemalige Verarbeitungsformen vor. An einer Rauhbank hobelte Walter Steiner ?hier kommen die Hobelspäne her?, betonte er. Aus einer Vitrine holte Adolf Olbrich die Scheibe einer Mooreiche. ?Sie erzählt ein Baumleben über wasserarme und wasserreiche Jahre oder wie sie im Wind stand?, berichtete Adolf Olbrich. Der Schreinerturm wurde in sechs Ebenen eingeteilt – ?in Ebene 6 haben wir in der Meisterstube einen würdigen Raum für Besprechungen?, informierte er weiter. Von hier aus präsentiert sich dem Besucher ein besonderer Rundblick nach draußen sowie ein Blick auf den mächtigen Dachstuhl, ?der noch als Original erhalten ist?, sagte stolz Olbrich in seiner Schreinertracht.
Bild – privat
Links Adolf Olbrich, rechts vorne Hermann Steiner, ebenfalls Schreiner,
Walter Steiner, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, 2.von rechts